anky_and_ms

Was macht man, wenn man in der Reha folgenden Satz vom Chefarzt hört: „Sie sind so jung und fit, Sie können keine Depressionen haben. Sie müssen morgens einfach nur aufstehen und sich denken: ich kann das, ich schaff das. Und dann werden Sie sehen, wird alles wieder gut.“
Ich war bereits 2017/2018 wegen einer depressiven Episode in psychologischer Behandlung. 2020 in der Reha versuchte der leitenden Arzt mit dann ernsthaft weiß machen zu können, dass MS und Depressionen nichts miteinander zu tun haben. Ca. die Hälfte aller MS Erkrankten machen im Laufe der Erkrankung eine depressive Phase durch. Und das ist ja auch nicht verwunderlich. So eine Diagnose ändert ja sehr vieles im Leben. Es kommen Ängste auf, die bislang nicht da waren. Ist man bereits von Einschränkungen betroffen, muss man diese auch erst mal verarbeiten und akzeptieren.
Als ich im Herbst 2020 wieder in psychologische Therapie ging und meiner Therapeutin den Satz des Arztes erzählte, hat sie nur mit dem Kopf geschüttelt. Wenn es so einfach wäre, ein Schicksal zu verarbeiten, dann wäre sie wohl arbeitslos.
Eine Diagnose zu verarbeiten hat in manchen Fällen viele Parallelen zur Verarbeitung des Todes eines geliebten Menschen (ich weiß das hört sich etwas krass an). Aber man muss lernen, dass man nicht mehr die Person ist, die man vor der Diagnose war. Diese Person ist sozusagen gestorben. Man muss lernen mit Einschränkungen und Veränderungen klar zu kommen. Und das betrifft nicht nur den Erkrankten selbst, sondern eben auch das Umfeld.
Ich möchte mit diesem Post keine Angst machen, sondern nur sagen: wenn man sich überfordert fühlt, ist es keine Schande sich Hilfe zu holen. Ich selbst habe 8 Jahre keine Hilfe gebraucht/ gewollt. Bin jetzt aber froh, dass ich sie habe. Denn Depressionen zu haben bedeutet nicht, dass man nur weinend zuhause sitzt und keinen Lebensmut mehr hat. Man kann nach außen hin auch der fröhlichste Mensch sein, aber wenn es eben im Inneren nicht stimmt sollte man sich Hilfe holen. Leider ist es immer noch so, dass sich viele Menschen schämen zum Psychologen oder in Psychotherapie zu gehen.

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